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„Löhne und„Erst die Lieferanten, sonst steht die Produktion.“ – Die betriebswirtschaftlich naheliegende Reihenfolge ist rechtlich genau die falsche.

Zwei Gläubiger spielen nach anderen Regeln

AIn der Liquiditätskrise entsteht eine intuitive Rangfolge: Erst die Lieferanten, denn ohne Material steht der Betrieb. Steuern und Sozialversicherung wirken dagegen wie geduldige Gläubiger. Das Gegenteil ist richtig.

Für nicht abgeführte Lohnsteuer haftet der Geschäftsführer persönlich und in voller Höhe (§§ 69, 34 AO, § 42d EStG) – das Finanzamt braucht dafür keinen Prozess, sondern erlässt einen Haftungsbescheid, der sich direkt gegen das Privatvermögen richtet. Reicht das Geld nicht für volle Löhne und Lohnsteuer, verlangt die Rechtsprechung, die Nettolöhne so zu kürzen, dass die Steuer auf die tatsächlich gezahlten Löhne abgeführt werden kann.

Bei der Sozialversicherung ist die Lage noch schärfer: Das Vorenthalten der Arbeitnehmeranteile ist eine Straftat (§ 266a StGB) – und begründet zugleich die zivilrechtliche Haftung gegenüber der Einzugsstelle (§ 823 Abs. 2 BGB). Hier geht es nicht mehr nur um Geld, sondern um Strafrecht.

Schulden, die den Untergang der GmbH überleben

Diese Haftung trifft den Geschäftsführer persönlich – unabhängig davon, was aus der Gesellschaft wird. Die GmbH kann liquidiert oder abgewickelt sein; der Haftungsbescheid und die Ansprüche der Sozialkassen richten sich weiter gegen ihn. Die vermeintliche Atempause auf Kosten von Fiskus und Sozialkassen ist deshalb keine Finanzierung, sondern eine Umbuchung der Unternehmensschuld ins Privatvermögen.

Übrigens ist der scheinbare Konflikt mit dem Zahlungsverbot der vorigen Folge aufgelöst: Die Abführung von Lohnsteuer und Arbeitnehmeranteilen gilt als sorgfaltskonform. Wer sie zahlt, verletzt das Zahlungsverbot nicht.

Die bessere Entscheidung

Behandeln Sie Steuern und Sozialversicherung nie als stille Kreditlinie. Bei jedem Engpass gilt die feste Reihenfolge: Arbeitnehmeranteile und Lohnsteuer zuerst sichern – notfalls durch Kürzung der Nettolöhne – und den Engpass selbst als das Warnsignal ernst nehmen, das er ist.